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Lauffeuer: Aus
dem Herzen leben
Von den Veränderungen unseres Herzens in der
Gegenwart Gottes und der Notwendigkeit auf unser Herz zu achten.
„Ich will euch ein anderes Herz und einen neuen
Geist geben. Ich nehme das versteinerte Herz aus eurer Brust und gebe
euch ein lebendiges Herz.“ Hesekiel 36,26
Ein ruhiges Herz
Gesundheits Check beim Hausarzt. Wie jedes Jahr vor
meinem Marathon. Blutuntersuchung und EKG. Zu meiner eigenen Sicherheit,
damit ich kein vermeidbares Risiko eingehe. Schließlich will ich gesund
im Ziel ankommen. Eine Arzthelferin fixiert die Elektroden an meinem
Oberkörper und schaltet des EKG Gerät ein. Langsam und bedächtig macht
das Gerät seine Aufzeichnungen. Auf dem Bildschirm ist eine Kurvenlinie
zu beobachten, die mich an ein Alpenpanorama mit verschiedenen Gipfeln
erinnert. Die Arzthelferin schaut auf den Bildschirm mit der
Gipfellandschaft. Echte Bergbilder sind schöner. Mit der Zeit wird aus
ihrer anfänglichen Routine ein gewisses Interesse. Sie kennt die Namen
der Gipfel und weiß, welche Entfernung normalerweise zwischen ihnen
liegt. Etwas macht sie unruhig. Stimmt die Messung? Sie kontrolliert die
Elektroden. Diese mit Gel befestigten „Horchposten“ sitzen noch fest.
Die Messung ist in Ordnung. Aber offensichtlich stimmt doch etwas nicht.
Sie lässt sich die Gipfellandschaft ausdrucken. Ihr Blick ist inzwischen
ausgesprochen kritisch. „Ist etwas?“ Sie schweigt. Keine Antwort ist
auch eine Antwort. Kopfschüttelnd verlässt sie den Raum. „Der Doktor
kommt gleich zu ihnen.“ Da liege ich nun. Eine beunruhigte Arzthelferin,
die ihren Chef alarmiert und ein Patient, der nichts von seinem
dramatischen Zustand weiß. Mir geht es doch gut. Mein Herz schlägt recht
regelmäßig in meiner Brust und auch sonst fühlte ich mich „pudelwohl“.
Ich bin in den besten Jahren. Lebensmitte. Geht es jetzt bergab? Der
Hausarzt erscheint. Zum Glück nicht im Laufschritt, sondern schon
deutlich gelassener als die Arzthelferin. Offensichtlich liegt doch
nichts „Lebensbedrohliches“ vor. Er sieht sich in aller Ruhe das
Gipfelpanorama an und gibt Entwarnung: „Ihr Herz schlägt ausgesprochen
ruhig. Sehr ruhig. Kein Grund zur Sorge. Aber ich möchte es doch noch
einmal vom Spezialisten überprüfen lassen.“ „Wie ruhig schlägt mein
Herz?“ „Die normale Herzfrequenz liegt zwischen 60 und 80 Schlägen pro
Minute. Bei ihrem Ruhe – EKG wurden nur 38 Schläge pro Minute gemessen.
Also wirklich sehr ruhig. Übrigens. Die Messung passt zu den früheren
Untersuchungen. Ihre Herzfrequenz war schon öfter unter 60 Schlägen pro
Minute. Sie haben offensichtlich wirklich ein ruhig arbeitendes Herz.“
Mit der mir eigenen Ruhe fahre ich daraufhin zum
Internisten und lasse ein weiteres Ruhe – und Belastungs – EKG
anfertigen. Alles ganz locker. Der Herzfachmann sieht sich die
Überweisungsunterlagen des Hausarztes und das „38er EKG“ an. Dann
musterte er mich ausgiebig. Sieht die durchtrainierten Waden, den
athletischen Oberkörper und die vom Laufen ausgemergelten Gesichtszüge
(stark übertrieben). „Sie treiben bestimmt häufig Sport?“ „Ja, ich laufe
ganz gern.“ „Marathon?“ „Stimmt, einmal im Jahr nehme ich an einem
Marathon teil.“ „Nicht nur Ihr Äußeres, sondern auch Ihr Herz hat sich
durch das Laufen verändert. Ohne dass sie es bewusst wahrnehmen. Das
Laufen führt dazu, das ihr Herz kräftiger schlägt. Es werden weniger
Herzschläge benötigt, um das erforderliche Blutvolumen im Kreislauf zu
befördern. Ihre niedrige Herzfrequenz hat deshalb konstitutionelle
Gründe und ist nicht behandlungsbedürftig. Ihr Herz schlägt inzwischen
so ruhig, dass es zwischendurch kribbelig wird und kleine Extraschläge
macht. Extrasystoden. Aber alles kein Grund zur Sorge. Ihr Herz hat sich
sehr gut an das Laufen gewöhnt. Ein Penomen, das man oft bei
Ausdauersportlern beobachtet. Das Herz reagiert auf das Verhalten des
Menschen – im positiven, wie im negativen Sinne. Also, laufen sie ruhig
weiter. Ihr Herz reagiert positiv auf das Laufen.“

Wie verändert sich unser Herz?
Das Herz ist auch für unser geistliches Leben der
Dreh- und Angelpunkt. Die amerikanischen „Herzspezialisten“ Brent Curtis
und John Eldredge schreiben: „Vor allem anderen ist das christliche
Leben eine Liebesaffäre des Herzens. Die Wahrheit des Evangeliums soll
uns dazu befreien, Gott und die Menschen mit ganzem Herzen zu lieben.
Wenn wir diesen Herzensaspekt unseres Glaubens ignorieren und versuchen
unsere Religion ausschließlich als korrekte Lehre oder Ethik auszuleben,
dann wird unsere Leidenschaft verkrüppelt oder pervertiert, und die
Kluft zwischen unserer Seele und den Herzensabsichten, die Gott für uns
hegt, wird immer tiefer werden.“ (1).
Wenn wir unsere Beziehung zu Gott als eine
Liebesaffäre des Herzens leben, wird sich unser Herz dem Herzschlag
Gottes angleichen. Verliebte Herzen schlagen im gleichen Takt. Das ist
immer so. Wenn sich unser Herz nicht verändert, dann sind all unsere
Veränderungen nur äußerlich und letztlich wertlos. Das Herz ist die
Mitte unseres geistlichen Lebens. Das Herz ist das Entscheidungszentrum
des Menschen. Hier laufen die Fäden zusammen. Hier wird der Wille des
Menschen geformt und Entscheidungen getroffen (2).
Das Herz ist der Brandherd für unser geistliches
Lauffeuer.
Gordon Mac Donald hat die besondere Bedeutung der „Herzensveränderung“
mit Hilfe eines Märchens beschrieben. Eine kleine Maus fürchtete sich
vor einer Katze und bat deshalb die gute Fee, sie in eine Katze zu
verwandeln. Jetzt erlebte die Maus, dass sie als Katze vom Hund gejagt
wurde. Deshalb wollte sie in einen Hund verwandelt werden. Aber auch als
Hund fürchtete sich die Maus. Daraufhin wollte die Maus Löwe und
schließlich sogar Mensch werden. Der guten Fee wurde es allmählich zu
bunt: „egal, in was ich dich äußerlich verwandle, solange du das Herz
einer Maus besitzt, wirst du dich immer fürchten. Deshalb bleib lieber
Maus und versteck dich in deinem Loch.“(3)
Doch wie kann sich unser Herz verändern? Wie
bekommen wir ein neues Herz? Wie kann die Kluft zwischen uns und Gottes
Herzensabsichten geschlossen werden?
Mein Läuferherz hat sich „laufend“ verändert. Es
schlägt kräftiger und ruhiger. Es ist neu geworden. Ohne dass ich diesen
Veränderungsprozess bewusst gestaltet habe. Ich hätte mein Herz auch
nicht verändern können. Dafür reichen meine Möglichkeiten nicht aus. Ich
habe einfach meine Freude am Laufen ausgelebt. So oft wie möglich. Mir
Mühe gegeben dranzubleiben, wenn ich eine Durststrecke hatte und die
Freude fehlte. Ich bin kontinuierlich gelaufen. Unbemerkt hat sich dabei
mein Herz verändert. Ein ausgesprochen willkommener Nebeneffekt des
Laufens.
Die geistlichen Veränderungsprozesse unseres
Herzens „laufen“ ähnlich ab. Wenn wir unsere Freude am Glauben ausleben,
verändert sich unser Herz. Ob wir es wollen oder nicht.
„Unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir“
hat schon Augustinus erkannt. Wenn wir in Gottes Gegenwart leben,
verändert sich unser Herz. Es wird ruhiger. Genauso wie das Läuferherz.
Petrus hat diesen Veränderungsprozess selber
erfahren und bei vielen Christen beobachten können. An Anfang seines
zweiten Briefes macht er deutlich, dass die Kraft Gottes die Grundlage
jeder echten Herzensveränderung ist (2. Petrus 1,3-11). Er gibt den
Anstoß. Die Kluft zwischen uns und seinen Herzensabsichten wird
geschlossen. Gottes Herz und unser Herz beginnen im gleichen Takt zu
schlagen. Unser Input zu diesem Veränderungsprozess ist der Glaube und
der feste Wille diesen Glauben auch zu leben. „Strengt euch an, die
Zusagen Gottes in eurem Glauben zu leben“ (V5 - NL). Das ist unser Part.
Das kann uns keiner abnehmen. Den Glauben leben. Am Ball bleiben. Das
Feuer nicht erlöschen lassen. Durststrecken überstehen. Wie beim Laufen.
Dadurch wird alles andere angestoßen. Eine geistliche Kettenreaktion.
„Dann zeigt sich euer Glaube durch ein
vorbildliches Leben. Ein vorbildliches Leben aber führt zur tiefen
Erkenntnis Gottes. Aus der Erkenntnis Gottes folgt Selbstbeherrschung.
Aus der Selbstbeherrschung wächst Geduld und aus der Geduld ein Leben im
Glauben zur Ehre Gottes. Aus der Ehrfurcht vor Gott entspringt die Liebe
zu den Gläubigen, und aus dieser schließlich die Liebe zu allen
Menschen. Je mehr ihr in dieser Hinsicht vorankommt, desto mehr werdet
ihr mit Hilfe der Erkenntnis von Jesus Christus, unserem Herren, ein
sinnvolles, auf andere ausstrahlendes Leben führen“ (V5-8 - NL).
Petrus hat manche Phasen dieses
Veränderungsprozesses sehr mühsam durchbuchstabieren müssen:
Selbstbeherrschung, Geduld. Aber Petrus ist dabei geblieben. Er hat es
erlebt: Gott arbeitet an uns. Am Ende des Veränderungsprozesses steht
die Liebe. Unser Leben hat sich verändert. Das Herz ist neu geworden. Es
schlägt jetzt in der Gegenwart Gottes. Es hat sich seinem Herzschlag -
seiner Frequenz - angepasst.
Petrus beschreibt keinen mechanischen Automatismus.
Es ist mehr ein natürlicher Wachstumsprozess. Die Freude am Glauben
leben. Das Feuer laufen lassen. Seine Gegenwart immer neu suchen.
Diese Schritte des Glaubens sind wie beim Laufen
ganz einfach: loslaufen, dran bleiben und neue Ziele stecken. Oder wie
es Gordon Mac Donald ausdrückt: loslassen, nachfolgen und hinausgehen
(4)
Geistlicher Herz – Check
Es ist gut, sorgfältig auf unser Herz zu achten.
Uns die Veränderungen und den Zustand des Herzens bewusst zu machen. Auf
das Herz zu hören und das Herz im Blick zu behalten.
Schon in den Sprüchen Salomos (4,23 -NL) steht: „
Vor allem aber behüte dein Herz, denn dein Herz beeinflusst dein ganzes
Leben.“ Pass auf dein Herz auf. Leichter gesagt, als getan. Leider
können wir keine geistliche Pulsuhr tragen, die sich meldet, wenn wir
unser Herz vernachlässigen oder überfordern. Wir können auch kein EKG
anfertigen lassen, um unsere geistliche Herzfrequenzkurve sichtbar zu
machen.
Aber keine Sorge. Unser Herz wird sich bemerkbar
machen. Wir haben ein recht feines Gespür für den Zustand unseres
Herzen.
Wir registrieren es, wenn unser Herz in Aufregung
gerät und schneller schlägt. Die freudige Erregung des Verliebten, die
Vorfreude auf ein großes Ereignis und auch die emotionale Betroffenheit
in bestimmten Situationen, sind in unserem Herzen zu verspüren.
Wir registrieren es aber auch, wenn unser Herz
kälter wird, die Betroffenheit abnimmt und uns nichts mehr in Aufregung
versetzen kann.
Die folgenden Fragen sind für mich eine Art
persönlicher „Herz Check“. Sie sind meine „geistlichen Elektroden“, die
ich ab und zu anlege, um die Aktivität und Temperatur meines Herzens zu
messen. So kann ich untersuchen, wie weit Gott mein Herz schon verändert
hat. Und ich kann prüfen, ob ich noch „herzensgegenwärtig lebe“, wie
John Eldredge es ausdrückt (5).
- Verspüre ich tiefe Emotionen? Schlägt mein Herz
noch aus? Oder verläuft meine Herzfrequenzkurve gleichförmig ohne
erkennbare „emotionale Schwankungen“?
- Durchlebe ich jeden Augenblick bewusst? Ist
meine Herzfrequenzkurve immer erkennbar? Oder gibt es Zeiten in denen
ich einfach abschalte? Zeiten in denen ich nur noch so dahin gleite,
bis es sich wieder lohnt, etwas wahrzunehmen?
- Schaffe ich mir Raum für Spontanität, Spaß und
Lachen? Gibt es noch Situationen in meinem Leben, in denen sich mein
Herz so richtig austoben kann? Habe ich meinem Herz einen
Frequenzbereich vorgegeben, über den es nicht hinausgehen darf?
- Empfinde ich eine Barmherzigkeit für Verlorene
und Verletzte? Dringt die Not der Anderen noch an mein Herz? Lässt es
sich noch in Bewegung setzen? Schlägt meine Herzkurve noch aus, wenn
ich Menschen in ihrer Not sehe? Empfinde ich noch Schmerzen darüber,
worüber Gott auch traurig ist?
- Dringt Gottes Stimme bis zu meinem Herzen vor?
Habe ich die Fähigkeit auf Gottes Stimme zu hören und handle ich auch
danach? Reagiert mein Herz noch, wenn Gottes zarte Stimme mir etwas
sagen will? Ist meine Beziehung zu Gott noch eine Liebesaffäre des
Herzens?
Über diesen persönlichen Herz Check hinaus, sollten
wir auch regelmäßig eine größere Untersuchung von einem Spezialisten
durchführen lassen. So wie ich – zu meiner eigenen Sicherheit - in
gewissen Abständen einen umfassenden Gesundheitscheck beim Arzt
durchführen lasse, hilft es mir, ab und zu einen „Fachmann“ aufzusuchen,
um mit ihm alle Bereiche meines Lebens durchzusprechen. Mein Herz
auszuschütten. So lassen sich die Veränderungen und Entwicklungen in
meinem Leben erkennen und gegebenenfalls bearbeiten.
Viele haben eine Scheu davor, den Arzt aufzusuchen.
Sie wollen gar nicht wissen, wie es um sie steht. Noch viel größer
scheint die Scheu zu sein, einem anderen Menschen, die Tür zum eigenen
Herzen zu öffnen. Wir haben es verlernt über den Zustand unseres Herzens
zu sprechen. Wir sind sprachunfähig. Dabei missachten wir die besondere
Bedeutung des Herzens. „Mehr als alles hüte dein Herz, denn von ihm geht
das Leben aus.“ Gott arbeitet an unserem Herz. Er will unser Herz
verändern, es neu und lebendig machen. Wenn wir es lernen, unser Herz
besser in den Blick zu bekommen, werden wir unseren Glauben bewusster
als Liebesaffäre des Herzens leben können.
Denkanstöße
Wie würden Sie selber ihren Herzenszustand
beschreiben? Schlägt es ruhig? Wie groß ist die Kluft zwischen ihrem
Herzen und den Herzensabsichten Gottes?
Sind ihnen Veränderungen an ihrem Herzen
aufgefallen?
Wie beurteilen sie die Möglichkeit eines
persönlichen Herz Checks?
Spüren sie dem Veränderungsprozess des Herzens bei
biblischen Personen wie z.B. Paulus oder Petrus nach. Wie hat sich deren
Herz verändert?
Quellen:
(1) Brent
Curtis, John Eldredge: Ganz leise wirbst du um mein Herz. Brunnen Verlag
Gießen 2002, Seite 20.
(2) Dallas
Willard: Aus dem Herzen leben. Brunnen Verlag Gießen 2004, Seite 124.
(3) Gordon
Mac Donald: Sich verändern heißt Leben. R.Brockhaus Verlag Witten 2001,
Seite 220.
(4) Gordon
Mac Donald: Sich verändern heißt Leben. R.Brockhaus Verlag Witten 2001,
Seite 221.
(5) John
Eldredge: Der Kampf um unser Herz. Aufatmen 1/2005. Seite 41.
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